GYLC 2000

von Waffenschmidt

Ein detaillierter Bericht von der Global Young Leaders Conference 2007

Was ist die GYLC?

Die Global Young Leaders Conference (Kurz: GYLC) ist eine Einrichtung, die herausragende junge Menschen aus der ganzen Welt zusammenführt, um Führungsfähigkeiten in globalem Bezug zu entwickeln (freie Übersetzung vom Vorstellungstext auf der GYLC-Homepage.)

Das klingt jetzt ziemlich hochgestochen. Genau genommen treffen sich 350 Schüler aus 72 Ländern um weltpolitische und wirtschaftliche Fragen zu erörtern. Dazu kommen Besuche in verschiedenen Einrichtungen mit globalem Bezug (wie z.B. beim IMF (International Monetary Fund) in Washington oder bei den Vereinten Nationen in New York), die immer mit Reden und anschließenden Diskussionen von bzw. mit hochrangigen Vertretern der jeweiligen Einrichtung verbunden waren.

Doch auch die kulturelle Seite wurde nicht vernachlässigt, und so verbrachten wir einen nicht zu unterschätzenden Teil der Zeit mit Sightseeing, z.B. einer Nachttour von Washington, D.C. oder einem Besuch bei den verschiedenen Memorials.

Wo findet die GYLC statt?

Die GYLC findet an zwei verschiedenen Orten statt. Die ersten 7 Tage ist man in Washington, D.C., am achten Tag reist man mit Zwischenstopp in Philadelphia nach New York. Dort bleibt man bis zum Ende.

Untergebracht waren wir in Washington in den Gebäuden der American University und in New York im Manhattan College, das (ganz entgegen seines Namens) am Rand der Bronx liegt. :-) Deshalb war es uns auch bei Androhung der Heimreise verboten uns der Geländegrenze auf mehr als 20 Meter zu nähern, jedenfalls an bestimmten Stellen. Vom Verlassen wollen wir mal gar nicht reden.

Das wirkte sich nicht gerade positiv auf die Stimmung aus, aber nach 2 Tagen hatte man sich daran gewöhnt, wie in einem Gefängnis zu leben. Die Betten waren grausam, das Essen typisch amerikanisch (60% Fett, der Rest Chemie) und die Sitten haben ihr übriges dazu beigetragen, dass Erholung zwischen den ziemlich harten Tagen schwer zu finden war. Außerdem: Der versprochene Swimming-Pool war gesperrt, die Turnhalle auch und der Fussballplatz gerade neu besät (d.h.: "Betreten stengstens untersagt..."). Außerdem waren die Basketballfelder gesperrt, da zur gleichen Zeit etwas ähnliches wie "Jugend trainiert für Olympia" stattgefunden hat.

Was ist das Ziel der GYLC?

Als Teilnehmer an der GYLC wurde man von Anfang an auch in eine kleinere Gruppe mit ca. 20 Teilnehmern eingeteilt (zugelost). Die Einzelgruppen stellen jeweils die Delegation eines bestimmten Staates dar. Ich hatte das besondere Vergnügen, Ruanda zu repräsentieren :-)

In den ersten Tagen befasste man sich mit dem Staat und der dortigen Situation, damit man sich so gut wie möglich in die Rolle eines Repräsentanten des Staates hineinversetzen kann. Das wird später einmal von entscheidender Wichtigkeit sein. Die teilnehmenden Staaten waren:

  • Europa: UK, Frankreich, Norwegen, Tschechische Republik
  • Asien: China, Russland, Indien, Japan, Israel, Syrien, Ägypten
  • Afrika: Ruanda, Nigeria, Südafrika
  • Amerika: USA, El Salvador, Venezuela, Cuba

Jedes Land wurde von der eigenen Delegation auf verschiedene weltpolitische Interessen hin untersucht:

  • Entwicklungspolitik (Entwicklungshilfe, Armut, Hunger, 3.-Welt-Problematik)
  • Umwelt (globale Erwärmung, Schutz der Antarktis, Wasser, Bevölkerungszuwachs)
  • Gesundheit (HIV/Aids, Gesundheit der Frau, Tabak, TBC)
  • Menschenrechte (Flüchtlinge, Menschenrechtsverstöße, Behinderte, Religionen)
  • Intern. Recht (Drogenhandel, Kriegsverbrechen, Terrorismus, Intern. Verbrechen)
  • Intern. Sicherheit (nukleare Aufrüstung, Nuklearwaffenversuche, B- und C-Waffen, Landminen)
  • Intern. Politik (Dekolonialisierung und Demokratisierung, Kindersoldaten, Kosovo, Reformen der UN )
  • Welthandel (europ. Währungsunion, Kinderarbeit, Ressourcen der Weltmeere, Wissensstandard)

Als Hauptgebiet wurden 2 der Unterthemen von jedem Staat gewählt, die der Staat als besonders wichtig ansieht. Für jedes Oberthema wurden Ausschüsse gebildet, die über die verschiedenen Unterthemen berieten. Jeder Staat versuchte natürlich, ein Entscheidung in einem der für ihn wichtigen Themen herbeizuführen.

Neben der Arbeit in den Ausschüssen gab es immer noch die Einzelgruppen, die die jeweiligen Staaten vertraten. Auch in dieser Runde traf man sich regelmäßig, um die Strategie zu besprechen und um wieder auf den neuesten Stand aller Ausschüsse zu kommen.

Am vorletzten Tag der GYLC kam dann das sogenannte "Global Summit" zusammen, eine Konferenz aller Länder untereinander, eigentlich eine simulierte UN-Sitzung. Hier wird dann über die Arbeit aus den Ausschüssen abgestimmt, wie auf einer echten UN-Sitzung. Die USA und China hatten auch hier ein Vetorecht...

Das ganze sollte eigentlich einen Einblick in die Arbeit eines zukünftigen "Global Leaders" geben. Eines war aber in jedem Fall zu erkennen: Schnell bildeten sich aus den jeweiligen Ländergruppen echte Lobbys, die auch außerhalb der eigentlichen Sitzungen vertreten wurden. Die Identifikation mit dem "eigenen" Land und den "eigenen Mitbürgern" ging sehr schnell. Teilweise gab es in einer von uns veranstalteten Sitzung Sprechchöre "Rwanda rules" gegen "Vive la France".

Das faszinierende war, dass bei uns nur 30% der Anträge aus den Ausschüssen abgelehnt wurden. Wir waren einfach besser als unsere Originale...

Wie sieht ein normaler Tag eines "GYLC-Participant" aus?

Beispiel: Monday, July 10, 2000 (New York), Global Finance
06.30 - 07.30 Uhr Frühstück
07.40 - 08.25 Uhr Treffen in den Einzelgruppen
08.30Uhr Ankunft der Busse
08.35 Uhr Abfahrt
10.30 Uhr "Financial World Speaker: Mastering the Challanges of International Business" Referentin: Karen Elliott House, Präsidentin von Dow Jones International
12.00 Uhr Mittagessen (South Street Seaport)
12.30 Uhr Ankunft der Busse
12.35 Uhr Abfahrt
13.30 Uhr Sightseeing: Nasdaq Stock Exchange
15.30 Uhr Abfahrt (war mitten in NY, d.h. kaum Zeit zum Einsteigen)
17.00 Uhr Ankunft am Manhattan College (Unterkunft)
18.00 - 20.00 Uhr Abendessen
20.15 - 20.45 Uhr Treffen in den Einzelgruppen
20.55 - 21.30 Uhr Vorbereitung zum "Global Summit" (s. o.)
21.45 - 22.15 Uhr Treffen in den Einzelgruppen
...danach: noch ca. eine Stunde Texte lesen, um auf den morgigen Tag vorbereitet zu sein...

Spaß für umsonst?

Das einzige, was umsonst ist, ist der Tod, und der kostet das Leben. Für 12 Tage GYLC musste man ca. 1,900 US$ auf den Tisch legen, das waren zu damaligen Umrechnungskursen ca. 4.200 DM. Exklusive Flug, versteht sich. Der wurde mir allerdings vom Förderverein des GDG gezahlt, dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür danken möchte. 1.500 DM steuerte die Robert-Bosch-Stiftung bei, auch an diese Adresse ergeht ein herzlicher Dank. Der Rest blieb dann eben an mir bzw. an meinen Eltern hängen. Denen hab ich schon oft genug gedankt.

Fazit

Ich denke, eine Kosten-Nutzen-Abwägung ist in einem solchen Fall einfach nicht machbar. Es war schweineteuer, absolut stressig aber in jedem Fall ein Erlebnis, dass ich nie in meinem Leben vergessen werde und aus dem ich gelernt habe.

Was mir in jedem Fall im Gedächtnis bleiben wird:

  • Die Luftlöcher über Washington und der Mageninhalt meines Nebensitzers
  • Die Unterschiede zwischen arm und reich, am besten zu sehen in Philadelphia
  • Die Sessions mit Johannes, Simon, Andrew, Nic, ...
  • Das Abendessen bei frz. Botschafter, als wir beim Gruppenfoto der jeweiligen Länder unsere Nationalhymnen gesungen haben, wir Deutsche die der DDR bei 32 "Wessis" und 2 "Ossis" (Auferstanden aus Ruinen...)
  • Wie man einem Amerikaner erklärt, dass das Klo verstopft ist
  • Das gechlorte Wasser. Ich habe mir eingebildet, dass es sogar meine Haare gefärbt hat. :-)
  • Rwanda has some NUKES!!! Wir haben mit Indien verhandelt: Bier (Ruanda hat eine Heineken-Brauerei!) gegen Atomwaffen. Das nenne ich Liberalisierung des Welthandels...
  • Ich saß auf dem deutschen Platz im UN-Versammlungsraum...
  • Die (auf Hassbildung ausgerichtete) Darstellung des Holocausts im Holocaust Memorial Museum und die Reaktion meiner Mitteilnehmer an diesem Tag auf Deutsche
  • Die FBI-Jungs auf dem Dach des White House
  • Unsere Diskussionen über deutsche Politik (schwarz gegen tiefrot)
  • ...

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